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26.
August 2004
Meldung
Philipp von Hessen fürs
21. Jahrhundert
Propst Rink würdigt Wertevermittlung
des Landgrafen als vorbildlich
"Mehr Demokratie wagen" ist ein Leitsatz von Willy
Brandt - aber schon 500 Jahre früher wagte ein hessischer
Regent den Sprung in die Zukunft der Bürgerbeteiligung.
Der Wiesbadener Propst Dr. Sigurd Rink würdigte am gestrigen
Abend (25.8.) in der Johanniskirche in Kronberg/Taunus den
hessischen Landgrafen als einen weitsichtigen Politiker und "historischen
Kirchenvater" der evangelischen Kirchen.
Neuordnung der Kirche - Innovationsbereitschaft
Rink sagte bei seinem Vortrag "Die Bedeutung Philipps von
Hessen für eine Kirche im 21. Jahrhundert", vor 500 Jahren
habe es teils vergleichbare Probleme mit denen der heutigen deutschen
Gesellschaft gegeben. Hessen sei damals ein armes Land mit nur
175.000 Einwohnern gewesen. Aber bereits zu Ende der Regierungszeit
Philipps im Jahr 1567 habe man 250.000 Untertanen zählen können.
Ursache für den wirtschaftlichen und sozialen Aufbau der Landgrafschaft
sei die Innovationsbereitschaft des 1504 Geborenen gewesen. So
habe Philipp die Kirche durch Visitationen der Pfarrer und Gemeinden
hinsichtlich ihrer Bekenntnis gemäßen evangelischen
Lehre sowie durch ein synodales Prinzip (Beteiligung von Laien)
von Grund auf verändert. Zu der kirchlich-synodalen Neuordnung
lasse sich heute sagen, Philipp von Hessen (1504-1567) habe "mehr
Demokratie gewagt".
Investition in Humanvermögen
Bei der Sanierung der Staatsfinanzen sei Philipp zweifelsohne die
Reformation mit der Übernahme von Klöstern und erhöhten
Zolleinnahmen am Rhein entgegen gekommen, aber die Größe
des mit 13 Lebensjahren bereits regierenden Philipps liege darin,
dass er in "Humanvermögen" investiert habe, in die
Universitäten, die Bildung und das Stipendiatentum. Für
eine Elementarbildung
der jungen Menschen habe der Landgraf durch die Einführung
des Katechismusunterrichtes gesorgt und damit einen Werte-
und Glaubenshorizont etabliert. "Bildung war der Schlüssel
seines Reformstrebens", meinte der Kirchenleitende Vertreter
der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Es sei
heute ebenso notwendig, Menschen mit einer "Herzensbildung" zu
erziehen. Denn, in einer sich schnell verändernden Welt,
könne sich jeder allgemein gut Gebildete besser zu recht
finden.
Bei der Ausgestaltung eines zukunftsfähigen Gemeinwesens
habe Philipp das mittelalterliche Almosenwesen der Klöster
zu einem Sozialsystem mit Hospitälern und eine Armenfürsorge
entwickelt. So sei die Fürsorge
in Hessen zu einem Element gesellschaftlicher Ordnung gewachsen.
Wertebewusstsein schaffen
Für die heutige Gesellschaft des 21. Jahrhunderts machten
die Bemühungen in der Reformationszeit deutlich, dass die
Religion und die Bindung der Menschen an Werte unabdingbar für
ein Gemeinwesen seien. Man müsse fragen, so kritisierte Rink,
ob eine Gemeinschaft ohne ein Wertebewusstsein, - er meine damit
auch den Bezug auf Gott bei Vereidigungen und in der Präambel
der Europäischen Verfassung - den Herausforderungen der Gegenwart
gewachsen sein könne. "Ich kann ein Land nur entwickeln,
wenn ich weiß, woher ich komme", sagte er zur christlichen
Tradition in Europa.
Dem Vortrag des Propstes in der Kronberger Johanniskirche
schloss sich eine kurze Diskussion an, bei der mehrere Zuhörer
mangelnde Bildung und fehlendes Wertebewusstsein in Deutschland
beklagten. Der Gemeindepfarrer von St. Johann, Hans-Joachim
Hackel, hatte die Versammlung mit der Bemerkung eröffnet,
dass mehrere gut besuchte Veranstaltungen zum 500. Geburtstag
Philipp des Großmütigen in Kronberg bereits vorausgegangen
seien. Eine Ausstellung der EKHN "Mit dem Glauben Staat
machen" ist noch wenige Tage bis zum 29. August (täglich
von 9-18 Uhr) in Räumlichkeiten neben der Kirche geöffnet.
Am 28.8. um 15.00 Uhr startet ein Rundgang "Auf den Spuren
der Kirche" durch das alte Kronberg mit Claus Habers.
[Dr. Roger Töpelmann
Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Süd-Nassau/Wiesbaden]
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