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Der evangelische Glaube
Martin Luther brachte die Reformation durch seine Schriften
ins Rollen. Er wollte die katholische Kirche reformieren und
die bestehenden Missstände beseitigen. Viele Bischöfe
benutzten beispielsweise ihr Amt allein dazu, Reichtum anzuhäufen.
Luther wollte, dass sich Kirche und Gläubige wieder mehr
an den Schriften der Bibel orientieren. Ihm und anderen Reformatoren
wie Huldrych Zwingli gelang jedoch nicht eine Reform der bestehenden
Kirche, sondern aus der Reformationsbewegung entwickelte sich
eine eigene Konfession. Der entstandene protestantische Glauben
hatte neue Grundlagen: Vertrauen auf die Gnade Gottes
Die katholische Kirche versprach
einem Sünder, dass er sich
vor dem Fegefeuer rettet, indem er Ablassbriefe kauft und gute
Taten vollbringt. Von dieser Vorstellung hielt Martin Luther
nichts. Er vertrat die Ansicht, dass Gott in erster Linie nicht
ein strafender Gott ist, sondern dem Menschen mit Liebe begegnet.
Laut Luther erfährt der Mensch allein durch den Glauben
die Gnade Gottes.
Gute Werke aus Liebe
Nach mittelalterlicher Auffassung trugen
gute Taten dazu bei, Gott gnädig zu stimmen. Protestanten
hingegen gehen davon aus, dass Spenden für arme Menschen
oder nachbarschaftliche Hilfe keine Garantie sind, das Wohlwollen
Gottes zu erreichen.
Nach Luthers Auffassung ist es selbstverständlich anderen
zu helfen, da der Mensch die durch Gott erfahrene Liebe an
andere weitergibt.
Bibel statt Papst
Im Mittelalter glaubten viele Christen, was
ein Priester oder der Papst verkündete. Die einfache Bevölkerung
hatte nicht die Möglichkeit, die Aussagen in der Bibel zu überprüfen.
Die Bibel war damals sehr teuer und nur in Latein geschrieben.
Die katholische Kirche konnte die Heilige Schrift so auslegen,
wie sie es für richtig hielt. Als Mönch las Luther
die Bibel genau. Er stellte fest, dass in der Bibel nicht steht,
dass ein Papst das Oberhaupt der Kirche ist. Für Luther
ist allein die Bibel und Christus die Richtschnur, an der sich
die Gläubigen orientieren sollen. Folglich lehnte er die
Autorität des Papstes und seine kirchlichen Anweisungen
und Gesetzte ab.
Priestertum aller Gläubigen
Nach Martin Luther ermöglicht
der Heilige Geist jedem getauften Christen, die Bibel zu verstehen.
Aus diesem Grund übersetzte
Luther das Alte und das Neue Testament ins Deutsche und forderte,
dass jeder lesen und schreiben lernt. Er war überzeugt,
dass jeder, der die Bibel selbst lesen kann, sich auch an der
Reform der Kirche beteiligt.
Zwei Sakramente
Die katholische Kirche kennt sieben Sakramente,
also Handlungen, die nur ein geweihter Priester ausführen
darf: Taufe, Abendmahl, Beichte, Firmung, Eheschließung,
Krankensalbung, Priesterweihe. Für die evangelische Kirche
gibt es aber nur zwei Sakramente, die Taufe und das Abendmahl.
Auch in diesem
Punkt orientierte sich Luther an der Bibel, in der nur die
Taufe und das Abendmahl als „heilige Handlungen“ erwähnt
werden.
Freiheit eines Christenmenschen Martin Luther schrieb ein kleines
Buch über die Freiheit
des Christenmenschen, das mit zwei widersprüchlichen Sätzen
beginnt. „Ein Christ ist ein freier Mensch und niemandem
untertan“, lautet der erste Satz, dann folgt: „Ein
Christ ist ein Knecht und jedermann untertan“. In der Spannung
dieser beiden Sätze entfaltet sich für Luther die persönliche
Freiheit. Luther wollte damit die Menschen von selbst ernannten
Vordenkern befreien und sie ermutigen, ihr Gewissen selbst anhand
biblischer Texte zu schärfen. Es bedeutet aber auch, dass
die eigene Freiheit stets auch die Freiheit anderer berührt
und keinen Platz lässt für reinen Egoismus. So beendet
Luther sein Buch mit dem Grundsatz: „Der Christ lebt nicht
in sich selbst sondern in Christus und seinem Nächsten,
in Christus durch den Glauben, in seinem Nächsten durch
die Liebe.“
Ehe statt Zölibat
Durch den Gleichheits-Grundsatz des „Priestertums
aller Gläubigen“ ist ein besonderer Lebenswandel für
Geistliche nicht mehr notwendig: Pfarrer dürfen heiraten.
Gottesdienst in deutscher Sprache
Den Gottesdienst halten die
Pfarrer, die sich zur evangelischen Lehre bekennen, nicht mehr
in lateinischer, sondern in deutscher
Sprache. Der Ablauf des Gottesdienstes ist unterschiedlich:
Während Luther es weitgehend bei der alten Gottesdienstordnung
belässt, fielen in Gebieten, die Huldrych Zwingli reformierte,
auch große Teile der Liturgie weg. Für Zwingli zählte
ausschließlich, was in der Bibel steht. Viele liturgische
Gesänge, aber auch christliche Bilder hielt er für
unnötig.
Abendmahl: Symbol oder Anwesenheit Christi?
Jeder evangelische
Christ trinkt während des Abendmahls
Wein aus dem Kelch, nicht mehr allein nur der Pfarrer. Uneinig
sind sich die Protestanten allerdings, was Brot und Wein bedeuten:
Für die Anhänger Luthers ist Christus durch die gesprochene
Sakramentsverheißung in Brot und Wein gegenwärtig.
Die Anhänger Zwinglis sind dagegen der Auffassung, dass
Brot und Wein nur ein Symbol für den Leib und das Blut Christi
sind. Landgraf Philipp tendierte zu der Auffassung Zwinglis,
eine Einigung in dieser Angelegenheit war ihm ein großes
Anliegen, wie das Marburger Religionsgespräch zeigt.
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