Territorialpolitik

Moderne Strukturen schaffen
Außenpolitische Maßnahmen
Philipp erkämpft die geistliche Gerichtsbarkeit

 

Bild: Hessenkarte
Die Landgrafschaft Hessen bestand aus verschiedenen Fürstentümern.
 

Moderne Strukturen schaffen

Schon mit 13 Jahren übernahm Philipp 1518 als Landgraf die Regierung in Hessen. Er fand ein von inneren Kämpfen zerrissenes und von den Nachbarn bedrohtes Land vor. Von territorialer Geschlossenheit im Sinne moderner Staatlichkeit war Hessen weit entfernt. Es war zunächst Philipps vordringlichste Aufgabe, seine landesherrliche Stellung zu sichern und zu festigen. Er schaffte die Grundlagen für moderne staatliche Strukturen. Sie waren eine Voraussetzung für die angestrebte stärkere Eigenständigkeit im Reich. Hierzu zählten unter anderem der Ausbau einer zentralen Verwaltung und die Übertragung vieler Bereiche des Sozial- und Bildungswesens auf die Landesherrschaft, die zuvor der Kirche vorbehalten waren. Die Einführung der Reformation, die Auflösung der Klöster und anderer kirchlicher Besitztümer kamen diesem Entwicklungsprozess zugute.

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Bild: Chinesische Seladonschale
Stellvertretend für den Reichtum Katzenelnbogens steht die chinesische Seladonschale, die zu dem nach Hessen gebrachten Silberschatz gehörte
 

Außenpolitische Maßnahmen

Neben innenpolitischen Maßnahmen bedurfte es auch massiver außenpolitischer Anstrengungen, um der Geschlossenheit der Landgrafschaft Kontur zu verleihen und den Begehrlichkeiten der politischen Nachbarn entgegenzutreten. Hierzu zählte ein Jahrzehnte dauernder zäher Kampf um die Grafschaft Katzenelnbogen, die Ende des 15. Jahrhunderts zwar an Hessen gefallen war, auf die mittlerweile aber auch die Grafen von Nassau Anspruch erhoben. Das Katzenelnbogener Erbe war sehr wertvoll, da seine lukrativen Rheinzölle reiche Einnahmen bescherten. Als 1523 die Grafschaft Katzenelnbogen in diesem Rechtsstreit dem Hause Nassau zugesprochen wurde, akzeptierte Landgraf Philipp das Urteil jedoch nicht. Jahrzehntelang verhinderte er auf juristischem und politischem Wege die Vollstreckung. Erst im Jahre 1552 nach der Befreiung Philipps aus der kaiserlichen Gefangenschaft startete eine ernsthaft gemeinte Vermittlung, die im Frankfurter Vergleich vom 30. Juni 1557 zum Erfolg führte. Nassau verzichtete auf seine Erbansprüche. Philipp erhielt die Grafschaft Katzenelnbogen und musste 600.000 Gulden an Nassau zahlen.

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Philipp erkämpft die geistliche Gerichtsbarkeit

1528 unternahm Landgraf Philipp zusammen mit Kurfürst Johann von Sachsen einen Präventivzug gegen die geistlichen Fürstentümer Mainz, Würzburg und Bamberg, da man die Bildung eines gegen Hessen gerichtetes feindliches Bündnis befürchtete. Auch wenn sich dies später als eine gezielte Falschmeldung herausstellen sollte, war dieser Kriegszug äußerst erfolgreich. Mainz trat in den Verträgen von Hitzkirchen und Gelnhausen die geistliche Gerichtsbarkeit in Hessen an den Landgrafen ab. Damit war Philipp alleiniger "Herr der Kirche" in Hessen.

Die Einführung der Reformation in Hessen durch Landgraf Philipp geschah einerseits aus religiöser Überzeugung, ein anderer wichtiger Faktor war aber auch die Gewinnung der alleinigen geistlichen Macht über die Untertanen und die Konfiszierung des kirchlichen Besitzes. Diese Änderungen trieben die Territorialstaatsbildung Hessens wesentlich voran.

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