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Durch Bündnisse gestärkt
Landgraf Philipp von Hessen hatte sich seit einem Jahr
zum evangelischen Glauben bekannt, da beschlossen die katholischen
Fürsten 1525 "die verdammte lutherische
Sekte als die Wurzel dieses Aufruhrs auszuroden".
Sie machten die lutherische Lehre für die Bauernaufstände
verantwortlich, obwohl die evangelischen Fürsten ihren Standesgenossen
zur Seite standen und die Aufstände niederschlugen. In Dessau
schlossen sich die "Altgläubigen" sogar zu einem
Bündnis zusammen. Doch den Gefahren, die den Protestantismus
bedrohten, stellte sich der 21-jährige Landgraf mutig entgegen.
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Auch
Johann von Sachsen unterstützte die reformatorische
Bewegung |
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Philipp von Hessen reagierte schnell. Mit anderen evangelischen
Fürsten und Städten vereinbarte er noch im selben Jahr
bei Hersfeld einen Bund. Wenige Monate später entstand unter
der Führung von Philipp und Johann von Sachsen das Verteidigungsbündnis
von Gotha-Torgau. Auch andere norddeutsche Fürsten
und die Stadt Magdeburg schlossen sich an. Die Protestanten bildeten
einen
respektablen
Bund gegen die katholische Seite und wehrten so eventuelle Angriffsabsichten
im Voraus ab.
Der Schmalkaldische Bund
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Der
Schmalkaldische Bundesvertrag vom 27. Februar 1531 |
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Zwei Ereignisse sorgten dafür, dass Landgraf Philipp und
Kurfürst Johann sich für ein stärkeres evangelisches
Bündnis einsetzten: Auf dem Reichstag in Speyer 1529 verurteilten
die katholischen Stände alle reformatorischen Veränderungen
in Hessen und anderen evangelischen Fürstentümern.
Weiterhin lehnte Kaiser Karl V. die 1530 auf dem Augsburger Reichstag
vorgelegten evangelischen Bekenntnisschriften ab. Philipp und
Johann erkannten die Bedrohung für die evangelische Sache.
1530 trafen sich evangelische Fürsten, Grafen und Vertreter
protestantischer Städte im Städtchen Schmalkalden.
Unter der Führung des hessischen Landgrafen und des sächsischen
Kurfürsten schlossen sie sich zum Schmalkaldischen Bund
zusammen. Ziel des Bundes war es, die evangelische Lehre - auch
gegen den Kaiser - zu verteidigen.
Der Bund wuchs zwischen 1533 und 1535 zu einer eigenständigen
und starken Institution mit einer Verfassung,
Bundesorganen und einer Finanzorganisation heran. Philipp der
Großmütige und der
Kurfürst von Sachsen wurden Bundeshauptleute. Bundestage
und Bundesräte waren Parlament und Regierung des Bundes.
Der Schmalkaldische Bund bildete so einen genossenschaftlichzen Gegenentwurf zur
kaiserzentrierten Reichsverfassung.
Der Erfolg: 15 Jahre Frieden
Das Bündnis war lange erfolgreich.
15 Jahre sicherte es den "Frieden" zwischen den Konfessionen.
1532 erreichten
die Protestanten mit dem Nürnberger Religionsfrieden, dass
Kaiser Karl V. und die katholischen Fürsten die evangelische
Konfession vorläufig duldeten. Der Kaiser machte Zugeständnisse
an die Protestanten, da er deren Unterstützung
im Krieg gegen die Türken benötigte. Die evangelischen
Fürsten
nutzten diese Gelegenheit, um die reformatorische Lehre weiter
in ihren Gebieten auszubreiten.
Auch die Mitgliederzahl des Bundes wuchs.
Weiterhin angewiesen auf die Unterstützung der Protestanten
gegen die Türken gewährte der Kaiser 1539 im "Frankfurter
Anstand" einen neuen befristeten Religionsfrieden.
In ihm musste er auch die seit 1532 errungenen Fortschritte der
Protestanten
anerkennen. Das Schmalkaldische Bündnis wurde dadurch gestärkt.
Landgraf Philipp befand sich auf dem Höhepunkt seiner politischen
Macht.
Menschliche Schwächen läuten den Untergang ein
Die vielversprechenden
Entwicklungen nahmen ein abruptes Ende, als der Landgraf durch
die Hochzeit mit Margarethe von der Saale
1540 eine Doppelehe einging. Da Bigamie auch mit dem Tode bestraft
werden konnte, war Philipp nun auf die Gnade des Kaisers angewiesen.
Um einer Strafe zu entgehen, machte er Karl V. Zugeständnisse,
die der evangelischen Bewegung sehr schadeten.
Für den Kaiser
kam diese "Niederlage" zur richtigen Zeit. Die Auseinandersetzung
mit Frankreich war beigelegt und die Türken verhielten sich ruhig.
Der Kaiser war somit nicht mehr
auf
die
Kriegshilfe
der Protestanten angewiesen und konnte gegen den Bund vorgehen.
Philipp
ging auf die Forderungen des Kaisers ein und versprach, das Bündnis
nicht mehr zu erweitern und auch die Aufnahme Herzogs Wilhelm
von Jülich-Kleve-Berg zu verhindern. Damit
unterstützte er die Ansprüche des Kaisers auf dessen
niederländische Gebiete. Der Kaiser nahm die Gebiete anschließend
ein und machte dort die Reformation rückgängig. Der
geschwächte Schmalkaldische Bund leistete keinen Widerstand.
Die Gebiete am Niederrhein gingen dem Protestantismus verloren.
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Philipps
Tochter Agnes und Ehefrau von Moritz von Sachsen |
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Weiterhin gelang es Karl V. den Schmalkaldischen
Bund zu spalten, indem er Philipps Schwiegersohn, Herzog
Moritz von Sachsen,
abwarb. 1546 versprach ihm Karl V. sächsische Gebiete, falls
Moritz sich am Krieg gegen den Bund beteilige. Philipps Schwiegersohn
ließ sich auf den Handel ein und schlug sich mit weiteren
evangelischen Fürsten auf die Seite des Kaisers.
Der Krieg
Im Juli 1546 eröffnete Karl V. den Schmalkaldischen
Krieg gegen das Bündnis. Als Kriegsgrund führte er
unter anderem an, dass die Mitglieder des Bundes Heinrich von
Braunschweig-Wolfenbüttel
als einen legitimen Herrscher aus seinem Land vertrieben hatten.
Dies bedeutete ein Bruch der Reichsverfassung. Im Frühjahr
1547 bei Mühlberg siegte der Kaiser über
das geschwächte Bündnis und Kurfürst Johann Friedrich
wurde gefangen genommen.
Landgraf Philipp kapitulierte im Juni 1547 und unterwarf sich
dem Kaiser mit einem Kniefall. Er
hoffte, dass die Strafe mit
"einiger" Gefangenschaft erledigt wäre. Als Philipp
sich jedoch nach dem Kniefall unaufgefordert wieder erhob und
lächelte, verweigerte der
Kaiser ihm die Hand. Wütend drohte er: "Wart, ick
will dir das Lachen lernen." Das Versprechen der "einigen" Gefangenschaft
wurde in "ewige" geändert. Philipp verbrachte
fünf Jahre in Haft in den Niederlanden.
Seine Landgrafschaft musste dem Kaiser eine Kriegsentschädigung
von 150.000 Gulden zahlen. In der Kapitulationsurkunde wurde
Hessen verpflichtet, alle Festungen außer Ziegenhain abzureißen
und die Geschütze auszuliefern.
Zurück in die Freiheit
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Auf
Schiefertäfelchen gelangten Philipp Geheimbotschaften
aus seiner Haft an den Kasseler Hof |
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Während seiner Gefangenschaft
bemühte sich Philipp,
sein Land durch geheime Anweisungen zu regieren, die er auf Schiefertäfelchen
schrieb und seinen Besuchern mitgab.
Anekdote: Geheimbotschaften aus der Haft
In der Heimat hatte Philipps ältester Sohn Wilhelm die
Führung übernommen. Er schaffte es auch, die zerschlagene
Fürstenopposition zu reaktivieren. Unerwartete Hilfe kam
von Philipps Schwiegersohn Moritz. Er blieb dem Kaiser nicht
treu, sondern wechselte erneut das Lager. In einem Feldzug
gegen den Kaiser gelang es dieser Fürstenverschwörung,
Philipp zu befreien. Der Kaiser
flüchtete über die
Alpen.
Nachdem Philipp wieder die Regierung Hessens übernommen
hatte, gelang es ihm nicht, seine politische Macht und militärische
Stärke wiederzugewinnen. In seinen letzten Lebensjahren
widmete er sich dem Wiederaufbau seines Landes.
Der Frieden hat das letzte Wort
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Der
Augsburger Religionsfriede |
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Der Bruder des Kaisers, König
Ferdinand, erreichte, dass sich Katholiken und Protestanten auf
den "Passauer Vertrag" einigten.
Darin hielten sie bereits die Grundzüge des zukünftigen
Religionsfriedens fest. Drei Jahre später regelte der "Augsburger
Religionsfriede" die Stellung der Konfessionen: Jeder
Herrscher sollte in seinem Gebiet über die Religion seiner
Untertanen selbst bestimmen. Diese mussten der Entscheidung
ihres Landesherren folgen oder sie durften auswandern.
Auch Philipp gab am Ende seines Lebens dem Frieden den Vorzug.
Seinen Söhnen schrieb er ins Testament: "Der Krieg
ist süß für die, die ihn nicht kennen gelernt
haben." |