Chance ergriffen

Militärische Konflikte ebnen Reformatoren den Weg
Neue Kirchenordnung in Hessen

Bild: Kirchenordnung von 1566
Die Reformation der Kirche wurde mit der über 500 Seiten umfassenden Kirchenordnung von 1566 abgeschlossen.
 

Militärische Konflikte ebnen Reformatoren den Weg

Die institutionellen Grundlagen für die offizielle Einführung der Reformation durch evangelische Reichsfürsten und Städte schuf der erste Reichstag von Speyer 1526. Da Kaiser Karl V. mit den Kämpfen gegen den französischen König, den Papst in Italien sowie gegen die Türken beschäftigt war, leitete sein Bruder Ferdinand den Reichstag. Das Kaiserhaus stand durch die vielen militärischen Konflikte stark unter Druck. Insbesondere gegen die Bedrohung der Türken war der Kaiser auf die Unterstützung der protestantisch gesinnten Reichsfürsten angewiesen. Er konnte nicht gegen die Protestanten vorgehen, sondern ließ durch seinen Bruder Ferdinand verkünden: "jeder möge sich so verhalten, wie er sich getraue, vor Gott und seiner kaiserlichen Majestät zu verantworten." Für die versammelten Reichsstände war dies das Signal und die Chance, die Reformation in ihren Gebieten nun auch institutionell und durch den Erlass neuer Kirchenordnungen abzusichern.

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Neue Kirchenordnung in Hessen

Auch Philipp nutzte die Gelegenheit und weitete die Reformationsbestrebungen in Hessen aus. Dazu lud er Vertreter der hessischen Landstände und Geistlichkeit 1526 nach Homberg/Efze ein. Auf der so genannten "Homberger Synode" legten sie die Grundzüge einer neuen Kirchen- und Sozialordnung fest. Die Predigten sollten fortan in deutscher Sprache abgehalten werden und die Pfarrer frei gewählt werden können. Armen- und Krankenfürsorge sowie das gesamte Bildungswesen, bisher Aufgaben der Kirche, wurden jetzt unter die Aufsicht des Staates gestellt. Ebenso wurde die Einrichtung von Armenkästen in den Städten und Dörfern und von Landeshospitälern in den aufgelösten Klöstern beschlossen. Auch die Gründung der Universität Marburg (1527), die die Ausbildung des Beamten- und Pfarrerstandes für diese neuen Aufgaben übernehmen sollte, wurde vorbereitet.

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