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Modernisierung des Staates
Um sein Land zu einem modernern Staat auszubauen, führte
Landgraf Philipp viele Reformen und Neuerungen ein. Sein Ziel
war es, sich als Lehnsherr mehr Unabhängigkeit zu verschaffen
und auch seinem Land eine größere Eigenständigkeit
zu sichern. Dazu waren innenpolitische sowie infrastrukturelle
Veränderungen notwendig. Viele Aufgaben wurden zentralisiert
und auf den Staat übertragen.
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Die
Steuerordnung von 1557 bildete über zwei Jahrhunderte
die Basis für das Steuerwesen in Hessen. |
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Einführung eines Steuersystems
Eine wichtige Neuerung war
die Einführung eines wirkungsvollen
Steuersystems. Den Wandel brachten die seit 1532 vom Reichtag
wiederholt bewilligten Türkensteuern, mit denen die Abwehr
der Türken bezahlt wurde. Aus der außerordentlichen
Steuer entwickelte sich im Laufe der Zeit eine regelmäßige
Zahlung. Dieses Finanzierungssystem wurde auch bald für
Landeszwecke genutzt. Mit den Einnahmen bezahlte der Landgraf
unter anderem die Sicherung seines Staates und die Abfindung
an die Grafen von Nassau für die Gebiete Darmstadt und St.
Goar.
Die auf dem Treysaer Landtag von 1557 beschlossene Steuerordnung bildete bis 1806 die Basis für das neue Steuerwesen in Hessen.
Die Steuerordnung regelte die Ermittlung der steuerpflichtigen
Vermögen, indem Einkünfte und Vermögenswerte in "Steuerkapital" umgerechnet
wurden. Von diesem Steuerkapital musste bei jedem Steuertermin
ein bestimmter Promilleanteil abgeführt werden. Der Landtag
bestimmte über die Höhe der Abgabe. Für die Adligen galten besondere Regelungen. Sie durften ihr Steuerkapital selbst
einschätzen. Die Güter für den privaten Haushalt
blieben steuerfrei. Schon 1553 hatte Philipp Verbrauchssteuern auf Bier und andere Alkoholika eingeführt. Eine Ausnahme
galt auch hier wieder für Adlige, deren privater Verbrauch
ebenfalls steuerfrei blieb.
Moderne Landvermessung
Einen genauen Überblick über
seinen Landbesitz verschaffte sich Philipp, indem er ab 1537
eine modernere Form der Landvermessung
einführte. Dies war wichtig, um die Grenzen zu benachbarten
Grafschaften genau festzulegen. Staatsdiener steckten dazu mit
noch recht einfachen Hilfsmitteln, wie hölzernen Drehzählern,
die Gebiete ab. Aber auch innerhalb Hessens wurde das Land neu
vermessen. So wurde festgestellt, wer wie viel Land an wen verpachtet
hatte und was bei einer bestimmten Größe bezahlt werden
musste. In kleinen Rentkammern oder Renthäusern, wie auf
dem Marburger Schloss, wurde das Geld dann eingezahlt. Philipp
als oberster Lehnsherr strukturierte und vereinfachte
damit das Finanzwesen.
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Eine
der ersten Landkarten Hessens wurde von dem Marburger Professor
Dryander vor 1560 gezeichnet und 1579 als Kupferstich
gedruckt. |
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Zu Philipps Zeit entstanden auch die ersten Landkarten von Hessen
nach modernen topografischen Gesichtspunkten, wenn auch oft mit
groben Fehlern. Auch die ersten Ansichten hessischer Haupt- und
Residenzstädte fallen in seine Zeit.
Neue Form des Gerichtswesens
Eine wichtige Errungenschaft Philipps
war die Zentralisierung des Gerichtswesens. Die bisher eher willkürlich
und teilweise vom Adel praktizierte weltliche Rechtsprechung
erhielt einen
Rahmen: 1535 führte Philipp die so genannte Halsgerichtsordnung ein, die Form und Ablauf von Gerichtsverhandlungen sowie das
Strafmaß festlegte. Auch die 1539 eingeführte Ziegenhainer
Zuchtordnung reglementierte nicht nur das Gemeindeleben, sondern
zielte auf eine strenge moralisch-sittliche Disziplinierung
der Bevölkerung ab. So wurden Hurerei, der übermäßige
Genuss von Alkohol und der außereheliche Beischlaf sanktioniert.
Die Gemeinde übernahm dabei oft die Funktion der Polizei.
Man bestrafte Verbrecher mit Stockhieben, warf sie in den Turm
oder stellte sie "an den Pranger". In den Städten übernahmen
Stadtdiener oder Stadtwachen die Kontrolle. Anfang des 16.
Jahrhunderts entstanden auch die ersten Zuchthäuser.
Auch
die kirchliche Gerichtsbarkeit lag seit 1528 in Philipps Händen.
In der Zeit davor führten Vertreter der Mainzer
Erzbischöfe Gerichtsverhandlungen in Glaubensfragen durch.
Sie setzten auch die Strafgelder fest, die dann in die Kassen
des Erzbistums flossen. Mit militärischen Mitteln hatte
Philipp den Mainzer Erzbischof gezwungen, die kirchliche Gerichtsbarkeit
an ihn abzutreten. Der Landgraf wurde damit auch kirchenrechtlich
gestärkt.
Machtposition ausgebaut
Philipps Neuerungen führten zu
einer Form von "gebündelter
Bürokratie". Die Förderung des Bildungswesens,
die Übertragung kirchlicher Aufgaben auf den Staat, die
Einführung eines neues Gesundheits- und Sozialsystem sowie
die Sicherung der Grenzen stärkten seine innen- und außenpolitische
Stellung.
Durch die neuen bürokratischen Strukturen stieg auch der
Schriftverkehr an. Eine systematische Postzustellung gab es aber
bisher noch nicht. Briefe und Dokumente wurden im Auftrag des
Landgrafen durch Botenreiter transportiert.
Im militärischen
Bereich ließ Philipp die Landesfestungen
in Kassel, Gießen, Ziegenhain und Rüsselsheim zu modernen
Bollwerken ausbauen.
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