Philipps Ideen für das Schulwesen

Bildung für alle
Schulen sind zu teuer
Bildung wird neu finanziert
Religion auf dem Lehrplan


Bild: Schüler beim Leichenzug
Hessische Schüler begleiten Landgraf Philipp auf seinem letzten Weg: Sie laufen bei seinem Leichenzug mit: "Philipp der Großmütige", 1904
 

Bildung für alle

Dass jedes Kind heute einen Schulabschluss erwerben kann, ist eine große, soziale Errungenschaft der Reformationszeit - sie stammt aus Hessen!

Landgraf Philipps Bildungsprogramm sah flächendeckend im ganzen Land Mädchen- und Knabenschulen vor. Seine Idee war es, dass in allen Städten und Dörfern Schulen eingerichtet werden, in denen Kindern grundlegendes Wissen, wie Lesen und Schreiben vermittelt wird. Die "Begabten" sollten dort auf ein Studium an der Marburger Universität vorbereitet werden.

Mit der Idee "Bildung für alle" nahm Philipp auch den Gedanken der Reformatoren auf: Jeder Christ sollte das Alphabet beherrschen, um die nun ins Deutsche übersetzte Bibel selbst lesen und verstehen zu können.

Schulen sind zu teuer

Die meisten Schulen waren zu dieser Zeit an Klöster angegliedert. Für Kinder aus dem städtischen Bürgertum, deren Bildungsanspruch höher war, gab es Schulen in den Städten. Alle Schulen waren schlecht besucht, schließlich gab es noch keine allgemeine Schulpflicht und der Schulbesuch war teuer. Eltern mussten für den Unterricht Schulgeld zahlen, dies konnten sich nur wenige leisten. Oft sahen Eltern auch nicht ein, wozu ihr Kind Schulbildung brauche, wo es doch später ein Handwerk erlernen sollte. Philipp wollte dies verändern. Zum einen wollte er evangelisch-sittlich erzogene Kinder, welche die Bibel verstanden. Außerdem brauchte er für die Zukunft gut ausgebildete evangelische Beamten, Pfarrer und Lehrmeister.

Bildung wird neu finanziert

Um einen Anreiz für die Lehrenden zu schaffen, setzte Philipp sich dafür ein, dass "Kindermeister mit einer gebührlichen Besoldung versehen" wurden. Doch knappe Kassen vereitelten manche Pläne. So wurden die Mädchenschulen nicht flächendeckend eingeführt, denn dazu reichte das Geld nicht aus.
Da das Schulwesen zu einer Landesangelegenheit geworden war, musste Philipp die Kosten selbst tragen. Auch wollte er das Schulgeld abschaffen, um auch ärmeren Kindern eine Chance auf Bildung zu geben.

Aus diesem Grund organisierte Philipp die Finanzierung des Bildungswesens neu. Er baute eine Kirchenverwaltung auf, in der das Vermögen und die Einnahmen der Kirchen in so genannte "Gotteskästen" flossen. Bisher waren diese Einkünfte oft von den Städten für "den gemeinen Nutz", zum Beispiel für Bauvorhaben verwendet worden. Seit 1530 wurden mit den Einnahmen Lehrer, Pfarrer und auch die Armenfürsorge bezahlt.

Religion auf dem Lehrplan

Alle Schulen im Deutschen Reich bis zur Reformationszeit waren Lateinschulen. Dort wurde lateinisch lesen und schreiben gelehrt. Die Fächer waren Grammatik, Dialektik, und Rhetorik und bereiteten auf die Universität vor. Einen Religionsunterricht gab es nicht. In den hessischen Schulen war das anders: Hier stand die religiös-sittliche Erziehung im Vordergrund. Die Bibel und der Katechismus waren die Themen, die im Unterricht durchgenommen wurden.

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