Stipendien für die Armen


Philipps sozialer Plan
Die Stipendiatenanstalt in Marburg


Auch Mittellose können unter Philipp studieren aus: "Philipp der Großmütige", 1904
 

Landgraf Philipp wollte jedem – ob arm oder reich - die Chance geben, ein Studium zu beginnen. Er ging davon aus, dass begabte Schüler nicht nur aus reichen Familien stammen, sondern auch in armen Familien anzutreffen sind. Darum baute er in Hessen ein System der Begabtenförderung auf. Philipp wollte so den Kreis der möglichen Studenten an seiner Landesuniversität in Marburg erweitern und mehr Beamte, Lehrer und Pfarrer ausbilden. Darüber hinaus wirkte er einer "wahren Landplage" des späten Mittelalters entgegen: Mittellose Studenten und Schüler bevölkerten bettelnd und hausierend die Landstriche und Dörfer und waren vielerorts Bestandteil des Straßenbildes.


Philipps sozialer Plan

In der Nähe der Marburger Universität gründete Philipp 1527 das so genannte Pädagogium, in dem Jugendliche aus ärmeren Familien auf die Universität vorbereitet wurden. Dort erwarben sie beispielsweise Kenntnisse in lateinischer und griechischer Sprache. Angehende Studenten aus ärmeren Familien konnten so den gleichen Bildungsstand wie Kinder reicher Eltern erlangen. Diese hatten meist zuvor schon andere Schulen besucht. Das Haus bildete den Vorläufer des heutigen Marburger Gymnasiums "Philippinum". Waren die Schüler des Pädagogiums erfolgreich, konnten sie auf die Universität wechseln.

nach oben


Die Stipendiatenanstalt in Marburg

Als Landgraf Philipp 1527 die Marburger Universität gründete, gehörte für ihn von Anfang an der Gedanke einer Stipendiatenanstalt mit zum Konzept. Aber erst 1529 erließ er eine Stipendiatenordnung, die ihm die Finanzierung seiner Idee sicherte: hessische Städte, die Kirchengüter aus den verstaatlichten Klöstern erhalten hatten, mussten als Ausgleich Stipendien an der Landesuniversität unterhalten. So konnten auch arme Studenten, finanziell versorgt, in Marburg studieren.

Wer sich ein Stipendium erschlich, wurde als "Räuber der Habe von Armen" hinausgeworfen und von den Rektoren der Universität hart bestraft.
Im Laufe der Zeit wurde die Stipendiatenordnung weiter ausgebaut, ein eigenes Wohnheim für die mittellosen Studenten geschaffen, in dem sie freie Kost und Logis erhielten. Zu Beginn wurden die verschiedenen Studiengänge bezuschusst, später fast nur noch das Theologiestudium finanziert. Damit sollte dem Trend zu den humanistischen, freien Künsten entgegengewirkt werden. Wer sein Marburger Theologiestudium aufgab, musste das volle Stipendium zurückzahlen. Wer es aber bis zum Schluss absolvierte, bekam dafür im Gegenzug vom Landgrafen eine Art Arbeitsplatzgarantie.

nach oben