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Gesundheitsreform 1533
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Solide
finanzielle Einnahmen aus ehemaligen Klöstern sicherten
die Gesundheits- und Sozialfürsorge |
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Mit 29 Jahren hatte Landgraf Philipp von Hessen bereits zwei
Hospitäler für Arme und Kranke gegründet und unterstützte
auch verarmte Adlige. Die Arbeit in den sozialen Einrichtungen
ließ er durch so genannte Visitatoren kontrollieren.
Außerdem fand er eine feste Regelung zur Finanzierung seiner
Armen- und Krankenfürsorge. Doch wie gelang es Philipp innerhalb
von wenigen Jahren, ein funktionierendes Sozial- und
Gesundheitssystem aufzubauen?
Die finanzielle Grundlage
Philipp hatte ein offenes Ohr für
seine Untertanen. Nach den Bauernaufständen brachte die
Bevölkerung ihre Wünsche
und Beschwerden vor, so auch die Einwohner der Stadt Marburg.
In einem Beschwerdebrief aus dem Jahr 1525 schlugen sie vor,
dass alle Einkünfte von Bruderschaften, regelmäßige
Renten und Spenden in einen gemeinen Kasten gelegt
würden, um davon hausarme Leut zu unterstützen.
Dieser Wunsch war in der kursächsischen Lutherstadt Wittenberg
bereits Wirklichkeit geworden. Dort flossen Einkünfte in
eine Art Hilfsfonds aus dem Pfarrer besoldet und Kranke und Waisen
versorgt wurden. Der gemeine Kasten, eine Art zentrale
Kasse der Gemeinde, bildete die finanzielle Grundlage der Armen-
und Krankenfürsorge. Landgraf Philipp griff diese Idee auf
und setzte sie in Hessen um.
Später wanderten auch Einnahmen aus Klostergütern in
den gemeinen Kasten.
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Arme
erhalten eine Lebensmittel-Spende des "Almosenkastens"
(Darstellung nach 1534; Copyright Hist. Museum, Frankfurt.) |
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Sein Reformprogramm teilte Landgraf Philipp im Mai 1533 Herzog
Christian III. von Schleswig und Hostein mit, nachdem dieser
Landgraf Philipp um Rat gebeten hatte. Christian III. wollte
wissen, wie er sich wegen der verlassenen kirchlichen Güter
verhalten solle, da der Adel bereits ein Auge darauf geworfen
habe. Ein Jahr später wurde er König von Dänemark
und führte dort die Reformation ein.
Philipp antwortet ihm, dass er
- denjenigen, die aus den Klöstern
austreten, eine lebenslange Versorgung ausgerichtet habe,
- in Marburg
eine hohe Schule eingerichtet habe,
- 150 Stipendien in Marburg
unterstützte,
- die Klöster Haina und Merxhausen in Spitäler
für
150 arme Leute aus den Dörfern umgewandelt habe,
- dafür
sorge, dass in den Klöstern Kaufungen und
Wetter arme adlige Fräulein aufgenommen würden und
eine Heiratsaussteuer erhielten,
- kirchliche Mittel für den
Schutz des Evangeliums aufwende,
- den Erben von Adligen die Klostergüter
zurückgebe,
falls deren Vorfahren diese gestiftet hatten und dort keine Gottesdienste
mehr wahrgenommen würden, schließlich einige Güter
denjenigen gegeben habe, die sich für sein Fürstentum
verdient gemacht hätten.
Das Reformprogramm realisierte Philipp der
Großmütige in Hessen in mehreren Schritten:
- Landgraf
Philipp wies 1527 die kirchlichen "Visitatoren" an,
auf ihren Kontrollreisen durch die Dörfer darauf zu achten,
dass Pfarrer oder Kastenmeister die kirchlichen Einnahmen für
die Armen verwendeten. Außerdem sollten sie geeignete Personen
als Armenpfleger und Spitalverwalter auswählen.
- Der zum lutherischen
Glauben übergetretene Landgraf
sendete protestantische Prediger in die Klöster. Viele Mönche
und Nonnen verließen daraufhin ihr Kloster und erhielten
dafür eine Abfindung. Die Besitztümer der Klöster
wurden verzeichnet und später von den Vögten des
Landgrafen verwaltet.
- Ab 1530 legte die Kastenordnung für Hessen fest, wie
die Gelder aus dem "gemeinen Kasten" zu verwenden
seien. Das Geld wurde zur Armenfürsorge, für das Schulwesen,
zur Besoldung der Pfarrer und zum Unterhalt von kirchlichen Gebäuden
genutzt. So entwickelte sich der Kasten zum wirtschaftlichen
Träger des hessischen Kirchen-, Schul-, Kranken- und Armenwesens.
- Philipp
ließ die Einnahmen zweier Klöster in den
gemeinen Kasten einfließen und unterstützte damit
acht hilfsbedürftige Adlige.
- Die Ritterschaft des Ober- und
Niederfürstentums erhielt
die Klöster Wetter und Kaufungen. Die Klöster wurden
in "adelige Stifte" umgewandelt, um Angehörige
der hessischen Ritterschaft zu versorgen. Drei gewählte
Vertreter aus jedem Fürstentum verwalteten die Einrichtungen.
- Ab
1531 begann der Landgraf die bereits vorhandenen Hospitäler
neu zu organisieren. Er stimmte einer neuen Ordnung für
das bereits bestehende Hospital Gudensberg zu, die ihm sein
Visitor Adam Krafft vorlegte.
- Adam Krafft und Heinz von Lüder entwickelten sich
zu Fachleuten des hessischen Spitalwesens. Sie
besuchten
ab
1532 die bestehenden Hospitäler und Siechenhäuser,
Einrichtungen für unheilbar Kranke, in den Städten.
Sie wiesen die Spitalmeister in die neuen Hospitalordnungen
ein und stellten
die Spitäler unter die neue Aufsicht der Landesherrschaft.
Landgraf Philipp befahl allen Beamten, Pfarrern, Kastenmeistern
und Spitalmeistern, den beiden gehorsam zu sein.
- Der Landgraf
verfügte 1532, Kloster-, Stifts- und Kirchengüter
zur Einrichtung und Unterhaltung von Hospitälern für
Frauen und Männer auf dem Lande zu nutzen. Der Grund lag
darin, dass auf dem Lande die Einnahmen des "gemeinen Kastens" gering
waren und Arme und Kranke durch Almosen nicht angemessen versorgt
werden konnten. Hospitäler gab es bis zu dieser Zeit nur
in den Städten.
- 1533 war die Umwandlung der Klöster
Haina und Merxhausen zu so genannten "hohen Hospitäler" abgeschlossen.
Im ehemaligen Zisterzienserkloster Haina wurden Männer
versorgt, Frauen erhielten im ehemaligen Augustinerchorherrensstift
Merxhausen Hilfe. Derartige Hospitalgründungen waren neu
in Deutschland. Die Einrichtungen wurden von "Hospitalvorständen" geleitet.
Neben dem Pfarrer gehörte dazu der Hospitalmeister, der
später Amtsvogt genannt wurde, und der für die Buchhaltung
zuständige Rentschreiber. Eine geregelte ärztliche
Versorgung gab es allerdings noch nicht.
- 1535 gründete Philipp im südlichen Teil seines
Landes in Hofheim (heute: Riedstadt-Goddelau) ein drittes Hospital.
Dies wurde nicht in einem ehemaligen Kloster errichtet, sondern
in den Besitzungen einer reichen Pfarrei. Anfangs kamen dort
Frauen und Männer, dann ausschließlich arme Frauen
unter.
- Zuletzt ließ der Landgraf das Kloster Gronau in ein
Hospital für Männer umwandeln.
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