Marburger Religionsgespräch

Spaltung befürchtet
Einigung und Unterschiede
Politische Dimension
Verschiedene evangelische Strömungen bis heute

 

Bild: Marburger Religionsgespräch
Beim Religions-gespräch im Marburger Schloss trafen sich die geistlichen Führer der Reformation um sich in einzelnen Punkten ihrer Glaubenslehre zu einigen.
 

Spaltung befürchtet

Einige führende Reformatoren vertraten bei einzelnen Glaubensfragen unterschiedliche Meinungen. Philipp der Großmütige war jedoch auf eine starke evangelische Bündnisfront angewiesen, denn die katholische Seite wehrte sich entschieden gegen die Reformbestrebungen der Protestanten.

Insbesondere die Anhänger Martin Luthers und die Anhänger des Schweizer Reformators Huldrich Zwingli stritten sich öffentlich. Landgraf Philipp von Hessen befürchtete eine Spaltung der protestantischen Bewegung und versuchte im Oktober 1529 die geistlichen Führer der Reformation im so genannten "Marburger Religionsgespräch" zu einer Einigung zu bewegen. Die Hauptkontrahenten der aus ganz Europa nach Marburg angereisten Reformatoren waren die Wittenberger Luther und Melanchthon, Zwingli aus Zürich, Martin Bucer und Kaspar Hedio aus Straßburg und Andreas Osiander aus Nürnberg. Auch evangelische Fürsten und Städte entsandten Vertreter zu diesem Treffen.

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Einigung und Unterschiede

Luther und Melanchthon hielten das Religionsgespräch vor allem mit Zwingli von Beginn an für aussichtslos und hatten große Vorbehalte, die Einladung des Landgrafen anzunehmen. Auch Zwingli folgte der Einladung nach Marburg mit Skepsis. Gegensätzlicher Meinung war man vor allem in der Abendmahlsfrage. Während Luther an der traditionellen Lehre von der leiblichen Gegenwart Christi im Brot und Wein des Abendmahls festhielt, verstand Zwingli die Abendmahlsfeier als symbolische Gedächtnishandlung. Drei Tage lang dauerten die Streitgespräche auf dem Marburger Landgrafenschloss.

Anfangs machten die Reformatoren um Zwingli bei den Glaubensfragen über die Gottheit Christi, den Heiligen Geist und die Erbsünde Zugeständnisse an die lutherische Seite, was auf einen Erfolg hoffen ließ.

Bevor das Gespräch über den strittigen Punkt des Abendmahls begann, wies der hessische Kanzler Johann Feige in einer Rede auf die Nachteile des theologischen Zwiespaltes hin. Luther hielt jedoch an seiner Auffassung fest, demonstrativ schrieb er auf den Tisch die Worte „Hoc est corpus meum“ (Dies ist mein Leib). Diese erklärte er als Gottes geheimnisvolle Offenbarung. Zwingli und Oekolampad wiesen vergeblich darauf hin, dass es der Vernunft widerspreche, dass Christus einerseits im Himmel sei und andererseits während des Abendmahls an vielen Orten gleichzeitig leiblich vorhanden sein solle. Außerdem warfen sie Luther vor, dass er den Satz, den er beweisen sollte, als bewiesen voraussetzte. Luther begegnete den Argumenten seiner Gegner, indem er auf die Unbegreiflichkeit der göttlichen Macht hinwies.

Am Ende des Gesprächs hielten die Beteiligten das Ergebnis den so genannten Marburger Artikeln in 15 Punkten fest. In 14 erzielten sie eine Einigung. Sie verständigten sich beispielsweise auf das Glaubensbekenntnis von Nicäa und legten fest, dass Jesus als Sohn Gottes durch Einwirkung des Heiligen Geistes Mensch geworden sei und entschieden, dass die Kindertaufe rechtens sei.
In der Abendmahlsfrage blieb man jedoch unterschiedlicher Meinung. Trotz der Uneinigkeit bekundeten die Teilnehmer aber den Willen, einander in christlicher Liebe zu tolerieren.

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Politische Dimension

Hinter der theologischen Auseinandersetzung im Marburger Schloss verbarg sich vor allem auch ein machtpolitischer Streit. Während Luther zunächst seine reformatorischen Ideen nicht in den Dienst politischer Ziele stellen wollte und strikt den Einsatz von Waffengewalt gegen Kaiser und Papst ablehnte, waren Zwingli und seine Anhänger bereits zum bewaffneten Widerstand entschlossen. Erst zwei Jahre später änderte Luther seine Meinung. Nachdem auf dem Augsburger Reichstag von 1530 die Konfessionsschrift der Evangelischen vom Kaiser und der katholischen Reichstagsmehrheit schroff zurückgewiesen wurde, stimmte er dem 1531 in Schmalkalden geschlossenen Verteidigungsbündnis der Protestanten zu.

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Verschiedene evangelische Strömungen bis heute

1536 kommt es in der Wittenberger Konkordie durch die Vermittlung des Reformators Martin Bucer zu einer Verständigung zwischen den südwestdeutschen Reformatoren und den Lutheranern. Die Abendmahlsfrage wird aber erneut zu einem Streitpunkt unter den Evangelischen, als sich in einigen Teilen Deutschlands die Lehre des Reformators Calvin verbreitet und zur Entstehung einer reformierten Konfession führt. Die konfessionelle Spaltung wirkt bis heute in Form getrennter Kirchen lutherischen und reformierten Bekenntnisses fort; in manchen Regionen sind seit dem 19. Jahrhundert Lutheraner und Reformierte in einer Kirche zusammengeschlossen („unierte Kirchen“).

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