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Philipp und die Frauen
Neue Zeiten, neue Sitten
"Es ist eine Lust zu leben!" jubelte Reichsritter und Humanist
Ulrich von Hutten zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Das Mittelalter
schien überwunden zu sein - Entdeckungen und Erfindungen versprachen
eine hoffnungsfrohe Zukunft. Auch die Art, wie die Menschen miteinander
umgingen, änderte sich. Die gezierten Lebensformen, die vor
allem am Hofe der burgundischen Herzöge gepflegt wurden und
stilprägend für ganz Europa waren, wurden abgelöst
durch gröbere und sinnlichere Verhaltensweisen der Menschen.
Dies drückte sich nicht nur in üppigen Festgelagen aus,
sondern auch in der Sexualität. Künstler, wie etwa Jan
Breugel und Guiseppe Arcimboldi mit ihren Darstellungen derber
Lebenswirklichkeiten vermitteln uns heute noch einen Eindruck davon.
Auch Philipp war den fleischlichen Genüssen nicht abgeneigt – er
liebte die Frauen und führte ein freizügiges Sexualleben.
Philipps erste Ehe
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Landgraf
Philipp und seine erste Frau Christine von Sachsen (von Jost
v. Hoff, Schloss Philippsthal) |
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1523 heiratete der 19-jährige Landgraf die 17-jährige
Christine von Sachsen. Obwohl Philipp den Frauen sehr zugetan war,
wissen wir heute nicht mehr, ob er seine Frau geliebt hat. Liebesheiraten
waren zu dieser Zeit unüblich. Die Entscheidung, mit wem ein
so wichtiger Mann wie Philipp die Ehe einging, gab die Bündnispolitik.
So wurden die guten politischen Beziehungen
ins sächsische
Fürstenhaus durch diese Heirat verwandtschaftlich gefestigt.
Die Hochzeit mit Christine war also vor allem politisch erwünscht.
Dennoch gingen aus dieser Ehe zehn Kinder hervor, fünf Töchter
und fünf Söhne, von denen einer früh stirbt.
Philipp – ein Mann mit zwei Frauen
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Philipps
zweite Frau, Margarethe von der Saale |
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Phillip war ein Kind seiner Zeit. Es war selbstverständlich,
dass Männer außerhalb ihrer Ehe intime Kontakte zu anderen
Frauen unterhielten. Dies war besonders ausgeprägt an den
Fürstenhöfen. Der Landgraf, der ein besonders großes
sexuelles Bedürfnis hatte, bildete hier keine Ausnahme. Allerdings
vertrug sich diese Lebensweise nicht mit seinem Glaubensbekenntnis.
Vom schlechten Gewissen geplagt, suchte er Hilfe in der Heiligen
Schrift und fand einen Ausweg in den biblischen
Geschichten des
Alten Testamentes. Dort entdeckte er die Möglichkeit der Doppelehe.
Jakob, einer der biblischen Urväter, war beispielsweise gleichzeitig
mit Lea und Rahel verheiratet.
Der Landgraf berichtete seinem Freund, dem Reformator Martin Bucer,
von seiner Entdeckung in der Bibel. Daraufhin setzte sich Bucer
bei Luther und Melanchthon für Philipp ein. Beide signalisierten
Philipp, vielleicht unter Druck, ihre Zustimmung zur Doppelehe – immerhin
hatte der Landgraf ihnen bei der politischen Durchsetzung der Reformation
enorm geholfen. Dies sollte jedoch vor der Öffentlichkeit
geheim gehalten werden. Darum erging am 10. Dezember 1539 der "Wittenberger
Ratschlag", der die Doppelehe Philipps billigte, sie aber
gleichzeitig unter das Beichtgeheimnis stellte.
Auch seine erste Frau Christine willigte in diese Ehe ein. Mit
36 Jahren heiratete Philipp im März 1540, im Beisein Bucers
und Melanchthons, seine 17-jährige Geliebte Margarethe von
der Saale. Sie war das Hoffräulein seiner Schwester Elisabeth
aus Sachsen. Aus dieser Ehe gingen zehn Kinder hervor, davon sechs
Söhne, die späteren Grafen von Dietz. Doch auch noch
nach der Hochzeit mit Margarethe zeugte Philipp mit seiner ersten
Frau zwei Söhne und eine Tochter.
Folgen für die Reformation
Die Nachricht von der zweiten Ehe
Philipps verbreitete sich trotz vereinbarter Geheimhaltung wie
ein Lauffeuer. Der Skandal erreichte
auch die Ohren des Kaisers Karls V.. Laut dem kaiserlichen Gesetzbuch,
der "Carolina", war die Doppelehe streng verboten und
konnte mit dem Tode bestraft werden.
Um dieser Gefahr zu entgehen, suchte Philipp den Kontakt zum Kaiser.
Auf dem Reichstag in Regensburg
schlossen die beiden einen Vertrag. Danach sollte es Philipp unterlassen,
weiter das evangelische Bündnis, den Schmalkaldischen
Bund, zu
verstärken. Der Kaiser unternahm im Gegenzug nichts gegen den Landgrafen
und dessen Doppelehe. Damit begab
sich Philipp in die Hand des Kaisers und schwächte die evangelische
Sache.
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